DER WILLEM C. VIS MOOT COURT

Erster Überblick

Der Willem C. Vis Moot Court ist ein internationaler juristischer Wettbewerb, der seit 1993 jährlich ausgetragen wird. Veranstaltet wird dieser weltgrößte Moot vom Institute of International Commercial Law der Pace University School of Law, New York, unter Zusammenarbeit mit UNCITRAL (United Nations Commission on International Trade Law) und weiteren Schiedsinstitutionen. Gegenstand des Moot, sind materiell- und formell-rechtliche Problemkreise des UN-Kaufrechts und der Schiedsgerichtsbarkeit.

Der Wettbewerb setzt sich aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil zusammen und umfasst eine Zeitspanne von etwa sechs Monaten. Zunächst werden die Studententeams einen fiktiven Sachverhalt bearbeiten und als Klägervertreter eine Klageschrift erstellen. Der Rechtsfall ist sowohl in den Schriften als auch im späteren mündlichen Verfahren in englischer Sprache zu bearbeiten. Im weiteren Verlauf des Moot Court wird jedes Team die Klageschrift einer anderen Gruppe erhalten und diese in Form einer Beklagtenschrift beantworten.

Bereits in diesem schriftlichen Teil des Wettbewerbs ist es möglich, für besondere Leistungen ausgezeichnet zu werden. Jedes Jahr werden die besten Klage- und Beklagtenschriften ermittelt und prämiert.

Als Höhepunkt des Moot Court finden die mündlichen Verhandlungen in Wien bzw. Hongkong statt. Diese Verhandlungen werden vor einem Schiedsgericht, bestehend aus in der Wirtschaftspraxis tätigen Professoren, Richtern und Anwälten, geführt. Dieses Tribunal fällt kein Sachurteil, sondern bewertet die Qualität des Vortrags und seine Überzeugungskraft.

Dabei treten die Teams nicht nur auf einer Seite auf. Während der Vorrunde verhandelt jedes Team jeweils zweimal als Kläger- und auch zweimal als Beklagtenvertreter. Nach der Vorrunde, in der alle Gruppen die Möglichkeit erhalten, sich zu präsentieren, finden die Qualifikationsrunden und schließlich das Finale statt.

Nur wer dort erfolgreich ist, darf sich „Best Overall Team“ nennen. Neben dieser Auszeichnung werden auch Preise für die besten Einzelvortragenden vergeben. Das zeigt, wie wichtig nicht nur das juristische Wissen, sondern auch die sprachlichen und die rhetorischen Fähigkeiten sind.


Wer tritt in Wien, wer in Hongkong auf?

Es existieren zwei verschiedene Moot Courts. Der Willem C. Vis Moot, dessen mündliche Verhandlungen in Wien stattfinden, und der Willem C. Vis East mit Verhandlungen in Hongkong sind unabhängige Schwesterveranstaltungen. Beiden liegt aber derselbe Sachverhalt zugrunde und auch die Regeln, nach denen die Verhandlungen bestritten werden, sind grundsätzlich die gleichen. Ein Team kann in Wien und Hongkong antreten und sich beweisen. Allerdings können Teammitglieder, die in Wien auftreten, nicht auch in Hongkong verhandeln.


Was sind die Ziele des Moot?

Durch den Moot Court erhalten Studenten der Rechtswissenschaften einen intensiven Einblick in internationales Handels- und Schiedsverfahrensrecht. Beides sind Gebiete, die an Universitäten nur von geringer fachlicher Relevanz sind. Die Anwendung auf einen konkreten Sachverhalt macht es notwendig, sich nicht nur mit materiell-rechtlichen Fragen, sondern auch mit prozessualen Problemen auseinander zu setzen. Neben dem Gewinn an sprachlichen und rhetorischen Fähigkeiten bedeutet eine Teilnahme am Moot die Möglichkeit, schon frühzeitig praktische Erfahrungen zu sammeln. Und nicht zuletzt sollte auch erwähnt werden, dass ein solcher Wettbewerb Plattform für den Austausch von Juristen und zukünftigen Juristen aus verschiedenen Nationen und Rechtssystemen ist.

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